Getting Ready bei der Hochzeit – Warum diese Stunde so besonders ist

Nahaufnahme einer tätowierten Hand, die mit einem Lippenpinsel die Lippen der Braut beim Getting Ready betont

Das Getting Ready ist für mich der ruhigste und gleichzeitig der ehrlichste Teil des ganzen Hochzeitstages. Wenn Ihr Euch fertig macht, ist noch nichts laut, niemand drängelt, und die Spannung baut sich langsam auf. Mir gefällt diese Stunde besonders, weil hier die Bilder entstehen, die später oft besonders berühren, denn sie leiten Eure Geschichte ein und sind das Erste, was Ihr von Eurer Hochzeitsreportage seht.

Was ich an dieser Phase mag: Es muss nichts inszeniert werden. Trauzeugin hält Sektglas, jemand lacht über einen Witz, der Bräutigam kämpft mit der Krawatte, die beste Freundin weint heimlich, als das Kleid drüber ist. Solche Momente kann man nicht stellen, die passieren von selbst. Ich bin dann da, halte Abstand, und drücke ab, wenn etwas Schönes passiert.

Im Folgenden sammle ich ein paar Gedanken zu Vorbereitung, Zeitplanung und dem, was ich aus Fotografen-Sicht empfehlen kann. Kein Pflichtprogramm, eher Erfahrungen aus den letzten Hochzeitssaisons.

Was beim Getting Ready alles passiert

Das Getting Ready beginnt für mich meistens, wenn die Visagistin schon ein Weilchen am Werk ist und der letzte Schliff bei Haaren und Make-up kommt. Dann packt jemand das Kleid aus, die Schuhe stehen schon bereit, irgendwo liegt das Brautbouquet, der Trauring auf dem Nachttisch. Genau diese Details fotografiere ich gerne, bevor sie im Trubel des Tages untergehen.

Beim Bräutigam läuft es oft entspannter ab. Hemd, Anzug, Fliege oder Krawatte, und meistens ein Bier oder ein Kaffee in der Hand. Ich bin dort meist kürzer, vielleicht fünfzehn bis dreißig Minuten, und konzentriere mich auf das Anziehen, gemeinsame Momente mit den Trauzeugen oder dem Vater, und ein paar ruhige Portraits am Fenster. Beide Seiten haben ihren eigenen Charakter. Mal ist es bei der Braut hektischer, mal beim Bräutigam emotionaler.

Wie viel Zeit Ihr einplanen solltet

Aus meiner Erfahrung sind eineinhalb bis zwei Stunden für das Getting Ready ein guter Richtwert, wenn ich beide Seiten fotografieren soll. Wenn die Braut und der Bräutigam getrennt voneinander vorbereitet werden, muss ich zwischen den Orten wechseln, was Fahrtzeit kostet. Liegen beide im selben Haus oder Hotel, geht das deutlich entspannter.

Was oft unterschätzt wird: Visagisten arbeiten genauer und ruhiger, wenn niemand drängelt. Wenn ich um neun ankomme und um zehn schon zur Trauung weiter müsste, wird die Stimmung sofort hektisch, und das sieht man später auf den Bildern. Lieber einen kleinen Puffer einplanen, als auf den letzten Drücker fertig zu werden.

Eine kleine Faustregel: Wenn Ihr unsicher seid, plant lieber dreißig Minuten mehr ein, als Ihr für nötig haltet. Lieber man hat, als man hätte.

Welcher Ort sich eignet

Ein gutes Getting Ready braucht vor allem Tageslicht. Ein Zimmer mit einem großen Fenster, am besten nach Norden oder Osten, ist Gold wert. Direkte Sonne ist nicht ideal, weil sie harte Schatten wirft. Diffuses Tageslicht durch eine weiße Gardine sieht fast immer schön aus.

Was außerdem hilft: Platz. In einem winzigen Hotelzimmer mit fünf Trauzeuginnen, einer Visagistin, dem Brautkleid auf dem Bett und Sektgläsern auf der Fensterbank wird es schnell eng. Wenn Ihr die Wahl habt, nehmt das größere Zimmer. Auch ein Wohnzimmer bei der Schwester oder den Eltern kann sich besser eignen als ein Hotelzimmer. Hauptsache hell und nicht überladen.

Was Ihr vorher nicht tun müsst, ist groß aufräumen. Wenn die leeren Sektgläser vom Vorabend noch auf der Fensterbank stehen, die Koffer halb ausgepackt im Eck liegen und irgendwo eine zerknüllte Strumpfhose über dem Stuhl hängt, ist das Teil Eurer Geschichte. Genau das macht eine Reportage aus, sie erzählt, wie der Tag wirklich war, nicht wie er in einer Hochglanzbroschüre aussehen würde. Ich finde später beim Sortieren oft, dass gerade diese ehrlichen Hintergründe den Bildern Charakter geben. Klar suche ich mir beim Fotografieren die schöneren Ausschnitte, aber wegräumen müsst Ihr für mich nichts.

Was sich gut auf den Bildern macht

Aus meiner Sicht als Fotograf gibt es ein paar Dinge, die fast immer schöne Bilder ergeben. Das Anziehen des Kleides, gerne mit Hilfe der Mutter oder Trauzeugin. Der Moment, in dem der Schleier befestigt wird. Das erste Hineinsehen in den Spiegel. Beim Bräutigam: die Krawatte oder Fliege, die Manschettenknöpfe, das Anziehen des Sakkos durch den Vater oder den Trauzeugen.

Auch die Details mag ich. Eheringe auf einem hübschen Hintergrund, das Brautbouquet vor einer weißen Wand, die Schuhe der Braut neben den Schuhen des Bräutigams. Für solche Aufnahmen brauche ich nur zwei, drei Minuten, sie ergänzen die Reportage aber sehr.

Wenn Ihr möchtet, könnt Ihr für mich vor meinem Eintreffen ein paar Dinge zusammenstellen, die Ihr gerne fotografiert haben wollt. Einladung, Ringe, Bouquet, Parfum, Schmuck, vielleicht Eheversprechen oder Briefe. Ich finde sie auch selbst, aber das spart Zeit, wenn Ihr es ohnehin geplant habt.

Was Ihr nicht braucht

Ihr braucht keine perfekte Choreografie. Ihr müsst nichts „nachstellen“, wenn der Schleier schon sitzt, als ich komme. Ich frage manchmal, ob jemand etwas wiederholen kann, aber das ist die Ausnahme. Lieber echte Reaktionen aus zweiter Reihe als noch eine extra inszenierte Szene.

Ihr braucht auch kein Pinterest-Board mit fünfzig Beispielfotos. Ein paar grobe Wünsche reichen mir, etwa „Bitte fotografier auf jeden Fall das Hineinschlüpfen ins Kleid“ oder „Ich hätte gerne ein Bild von mir und meiner Mutter“. Den Rest macht der Tag selbst.

Ob das Brautpaar sich beim Getting Ready schon sehen darf

Das ist eine ganz persönliche Entscheidung. Manche möchten den klassischen First-Look-Moment erst kurz vor der Trauung, andere ziehen sich gemeinsam an, weil sie ohnehin zusammen wohnen und alles entspannter finden. Beides hat seinen Reiz. Wenn Ihr die Erst-Begegnung als Hochzeitspaar bewusst inszenieren wollt, plant getrennte Räume und einen klaren Treffpunkt. Wenn Euch das egal ist, macht es Euch leichter.

Falls Ihr danach noch ein Brautpaarshooting plant, gibt der Beitrag Wie lange dauert das Brautpaarshooting einen Überblick, wie viel Zeit dafür sinnvoll ist.

Was ich am Getting Ready aus Fotografen-Sicht so schätze

Das Getting Ready ist die einzige Phase des Hochzeitstages, die noch nicht öffentlich ist. Keine Gäste, kein Programm, keine Erwartungshaltung. Ihr seid mit Euren engsten Menschen zusammen, und das spürt man in der Luft. Jemand wird nervös, jemand weint, jemand kichert, und irgendwo geht eine Sektflasche auf. Genau diese Mischung macht die Bilder so wertvoll.

Aus rein fotografischer Sicht mag ich das ruhige Tempo. Ich kann mir die Zeit nehmen, gute Ausschnitte zu finden, mit dem Licht zu spielen, auf Reaktionen zu warten. Später im Tag wird alles schneller, da entstehen die spontanen Momentaufnahmen. Beim Getting Ready habe ich noch die Gelegenheit, ruhige Portraits zu machen, in denen Ihr ankommt und kurz innehaltet.

Mein Vorschlag, wenn Ihr Euch unsicher seid: Plant das Getting Ready ein, auch wenn es nur eine Stunde ist. Ihr werdet später dankbar sein für die Bilder vor dem ganzen Trubel, die Eure Geschichte schön einleiten. Und für mich ist es jedes Mal der schönste Auftakt in einen langen, oft sehr emotionalen Tag.

Häufige Fragen

Ihr habt Fragen zu Ablauf, Preisen oder wie das mit den Bildern läuft? Schaut in die FAQ – da beantworte ich die Sachen, die ich am häufigsten gefragt werde.

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