Unplugged Ceremony: Handy bei der Trauung lieber weglegen

Eine Unplugged Ceremony, also eine Trauung ohne Handys und Kameras in der Gästehand, ist im englischsprachigen Raum längst Standard. Bei uns setzt sich die Idee langsam durch, und das hat einen guten Grund. Ich sag es direkt: Steckt Eure Handys bei der Trauung in die Tasche. Alle. Auch Ihr, liebe Gäste.
Ich erlebe das bei fast jeder Hochzeit. Das Brautpaar steht sich gegenüber, die Tränen kommen, die Worte auch. Und in der ersten Reihe leuchten fünf Displays auf. Einer filmt quer, einer filmt hoch, einer tippt noch schnell was weg und einer hält sein Tablet hoch. Ein Tablet. Bei einer Trauung.
Was das mit den Fotos macht
Ich bin dort, damit Ihr Euch keine Sorgen machen müsst. Als Hochzeitsfotograf in Leipzig habe ich das in den letzten Jahren bei fast jeder Trauung erlebt, deshalb spreche ich es hier offen an. Was ich aber nicht kann: durch fünfzehn Handys hindurchfotografieren, ohne dass ein Arm oder ein leuchtender Screen ins Bild ragt. Das klingt nach einem Fotografen-Problem. Ist es aber nicht. Ihr wollt Bilder, auf denen Eure Gäste Euch anschauen. Nicht ihre eigenen Displays.
Und ja, ich kenne die Versuchung. Jeder will den einen Moment festhalten. Aber wenn ich zehn Jahre Hochzeitsfotografie zusammenrechne, dann sind die schlechtesten Trauungsbilder fast immer die, auf denen jemand mit einem filmenden Smartphone im Bild steht.
Was das mit dem Moment macht
Eine Trauung dauert in der Regel zwanzig Minuten. Die passieren ein einziges Mal. Kein Instagram-Video macht das rückgängig, wenn man sie verpasst hat. Eure Gäste sind dort, weil sie Euch lieben. Und das merkt man auf Fotos. Wenn jemand wirklich hinschaut.
Wer durch sein Handy filmt, sieht den Moment nicht. Klingt banal, ist aber wahr. Ihr wisst selbst, wie es ist, wenn man auf Konzerten alles durch ein Display erlebt. Hinterher erinnert man sich an das Video, nicht an die Musik. Auf einer Hochzeit ist das schade. Auf Eurer eigenen wäre es richtig schade.
Auch die Standesbeamten sehen das so
Ich erlebe es immer öfter, dass die Trauungsleitung das von sich aus anspricht. Bevor es losgeht, ein kurzer Satz, dass die Telefone in die Tasche dürfen. Manchmal mit einem Augenzwinkern, manchmal ganz direkt. Das ist kein Einzelfall, sondern wird inzwischen fast zum Standard. Standesbeamte sehen täglich Trauungen, sie wissen, was passiert, wenn alle filmen. Und sie wissen auch, was passiert, wenn keiner filmt: Es wird leiser, ruhiger, persönlicher.
Was eine Unplugged Ceremony genau ist
Der Begriff Unplugged Ceremony kommt aus dem englischsprachigen Raum und beschreibt nichts anderes, als dass die Gäste während der Trauung keine Handys oder Kameras benutzen. Bei uns ist das noch nicht ganz so verbreitet, aber die Idee setzt sich langsam durch. Manche Paare stellen ein kleines Schild am Eingang auf, manche bitten einen Trauzeugen, das vorher kurz anzusagen. Beides funktioniert.
Es geht dabei nicht darum, jemandem etwas zu verbieten. Es ist eher eine Einladung. „Seid bitte einfach da, nicht hinter der Linse.“ So formuliert nimmt das niemand persönlich.
So bittet Ihr Eure Gäste um eine Unplugged Ceremony
Ein Satz auf der Einladung reicht: „Während der Trauung freuen wir uns über aufmerksame Gäste statt aufmerksame Displays.“ Oder Ihr bittet die Trauungsleitung kurz darum, das ist normal und wird gerne gemacht. Wer einen Trauzeugen hat, der ein paar Worte spricht, kann es da reinpacken. Lockerer Ton, kein Drohfinger.
Ein Schild am Eingang ist auch eine Option. „Unplugged Ceremony, bitte Handys in die Tasche während der Zeremonie. Danach gerne wieder.“ Niemand wird böse sein, versprochen. Und alle werden hinterher Fotos haben, auf denen sie nicht wie Konzertbesucher aussehen. Und auf den Bildern vom Profi seht Ihr Eure Gäste so, wie sie wirklich gerade sind. Mit echten Gesichtern statt mit ihren Telefonen vor der Nase.
Falls Ihr noch einen Hochzeitsfotografen für Euren Tag in Leipzig oder Umgebung sucht, schreibt mir kurz, dann schauen wir, ob es passt.
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